Ashtanga Yoga

Hintergrund
woman doing yoga meditation on brown parquet flooring

Sri K. Patthabi Jois (1915 – 2009)

(Aufnahme freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Linda Munro)

Kurze Geschichte des Ashtanga Yoga

Ashtanga Yoga ist eine dynamische und kraftvolle Form des Hatha Yoga. Mit der Atmung präzise abgestimmte Körperhaltungen (auf Sanskrit: Asana) werden fließend in einer definierten Abfolge miteinander verbunden. Präziser ist die Bezeichnung Ashtanga Vinyasa Yoga.

Ashtanga Yoga wurde seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts in Mysore, Indien, von Sri K. Patthabi Jois (1915 – 2009) in der Tradition seines Lehrers Sri T. Krishnamacharya (1888 – 1989) entwickelt.

Inzwischen wird der Enkel von Patthabi Jois, R. Sharath Jois, als Linienhalter für Ashtanga Yoga angesehen. Er unterrichtet in einem Vorort von Mysore im Sharath Yoga Centre sowie weltweit.

Das nach seinem Großvater benannte Sri K. Patthabi Jois Ashtanga Yoga Institute in Mysore wird von seiner Mutter R. Saraswathi Jois und seiner Schwester Sharmila  weitergeführt.

Der älteste Sohn von Patthabi Jois, Manju Jois, lebt seit 1976 in den USA und hat einen sehr großen Beitrag geleistet, Ashtanga Yoga dort und auch in Europa zu verbreiten.

Besonderheiten des Ashtanga Yoga

Ashtanga Yoga ist eine körperlich anspruchsvolle Praxis, die durch regelmäßiges Üben Kraft, Flexibilität, Durchhaltevermögen und Gleichgewicht entwickelt.

Durch die definierte Reihenfolge der Asana kann von Anfang an auch unabhängig von einem Lehrer praktiziert werden („self practice“). Die Rolle des Lehrers besteht darin, die exakte Durchführung der Asana zu erklären – oder auch, wie sie im Einzelfall, z.B. bei einer Verletzung, anzupassen sind. Außerdem kann er durch Hilfestellungen den Schüler darin unterstützen, tiefer in die Asana zu gelangen.

Die Rolle der Yoga Lehrerin oder des Yoga Lehrers

Aus meiner Sicht am wichtigsten ist, dass die Lehrerin oder der Lehrer eine Atmosphäre schafft, in der die Praktizierenden gerne ihre Praxis entfalten.

Die in Indien traditionelle „Unterordnung“ der Praktizierenden unter den „Guru“ ist im westlichen Umfeld aus meiner Sicht nicht hilfreich, teilweise aufgrund der Gefahr, dass missbräuchliche Beziehungen entstehen, sogar schädlich.

 

Gehobener Lotussitz (Utpluthih) zum Abschluss

woman in white shirt sitting on brown and white pillow

Reiher-Position (Krounchasana), 2. Serie

Prana, Energie und Reinigung

Im Yoga geht man davon aus, dass die Lebenkraft (auf Sanskrit: Prana) durch feine Energiekanäle (auf Sanskrit: Nadi) im gesamten Körper verteilt wird. Wenn der freie Fluss des Prana behindert ist, entstehen körperliche, emotionale und auch mentale Störungen.

Durch eine bestimmte Atemtechnik (auf Englisch: free breathing with sound, übersetzt freie Atmung mit Klang), die Dynamik der Bewegungen und das Aktivieren bestimmter muskulärer und energetischer Zentren (auf Sanskrit: Bandha) wird sehr viel innere Wärme erzeugt. Diese Wärme unterstützt die Reinigung und die Öffnung des physischen Körpers und der feinen Energiekanäle. Dadurch entsteht mehr Vitalität. Auf allen Ebenen kann Heilung stattfinden.

Meditation in Bewegung

Außerdem ist für jede Asana ein bestimmter Blickpunkt (auf Sanskrit: Drishti) vorgeschrieben. Nach jahrelangem Üben unterstützt das Einhalten der Blickpunkte, in Verbindung mit der besonderen Atemtechnik und vor allem dem festgelegten Ablauf der Bewegungen, den Eintritt eines meditativen Zustands – die Praxis wird zu einer Meditation in Bewegung.

 

Ashtanga Vinyasa Yoga zeichnet sich aus durch

die feste Reihenfolge der Asana

ihre dynamische Verbindung

die spezielle Atemtechnik

die Verbindung von Bewegung, Atmung und Blickpunkt (auf Sanskrit: Trishtana)

den Einsatz der Bandha

die parallele Entwicklung von Flexibilität und Stärke

die aktive Hilfestellung durch den Lehrer (körperliche Adjustments)

und die Möglichkeit, die Praxis unabhängig von einem Lehrer durchzuführen.

Jeder kann üben – und soll üben

Zu Beginn sollte Ashtanga Vinyasa Yoga möglichst zwei bis drei Mal pro Woche praktiziert werden. Mit der Zeit wird nach Möglichkeit täglich praktiziert, mit einem Ruhetag pro Woche (traditionell am Samstag) und einem weiteren Ruhetag an Voll- und Neumondtagen.

Ashtanga Vinyasa Yoga ist körperlich anstrengend und doch für Menschen aller Altersgruppen geeignet.

„Ashtanga Yoga is for everybody, just not for lazy people. – Ashtanga Yoga ist für Jedermann geeignet, nur nicht für Faule.“

(Sri K. Patthabi Jois)

 

Was bedeutet "Ashtanga (Vinyasa) Yoga"?
Bedeutung des Begriffs "Ashtanga"

Ashtanga beschreibt ein aus 8 Elementen bestehendes System
(Ashtanga ist zusammengesetzt aus ashtau, also acht, und anga, also Glied)

Yama (= ethische Handlungsweise)

Niyama (= persönliche Verhaltensregeln)

Asana (= Körperstellungen)

Pranayama (= Atemtechniken)

Pratyahara (= Zurückziehen der Sinne)

Dharana (= Konzentration)

Dhyana (= Meditation)

Samadhi (= Versenkung)

Diese Elemente sind eng miteinander verbunden. Durch das Praktizieren nach dem Trishtana-System (Verbindung der Asana mit der besonderen Atemtechnik und den Drishti) kann Ashtanga Vinyasa Yoga mit der Zeit alle genannten Elemente entwickeln.

Bedeutung des Begriffs "Vinyasa"

Vinyasa bedeutet den Gleichklang zwischen Bewegung und Atmung.

Bedeutung des Begriffs "Yoga"

Yoga bedeutet auf Sanskrit Joch u.a. und im übertragenen Sinn Vereinigung, Integration oder auch Anschirren. Ursprünglich war Yoga ein spiritueller Weg, mit dem Ziel der Erleuchtung. In diesem Sinn wird Yoga bereits mindestens seit 2.500 Jahren praktiziert. Der körperliche Aspekt des Yoga spielt seit 1000 Jahren eine zunehmende Rolle, die häufige Überbetonung dieses Aspekts ist eine Entwicklung des 20. und 21. Jahrhunderts n. Chr..

man and woman doing yoga routine

Marichyasana D, 1. Serie

„Practice, practice, practice – and all will be coming.”

(sehr frei übersetzt in Deutsche: „Übung macht den Meister.“)

(Sri K. Patthabi Jois, 1915 – 2009)